Ich sitze auf dem weichen roten Klappstuhl am Balkon, rund um mich 2000 Frauen und einige Männer. Unter mir die Logenränge und vor mir der rote Staatsopern – Vorhang mit dem Text:

„Solong ois bleibt,
weils oiwei
scho so woa,
bin i Feminist:in.“
#katharinacibulka
@katharinacibulka

aufgestickt im feinen rosa Kreuzstich auf transparent scheinendem BaustellenGitter. Ich kenne diesen Kreuzstich: ein Handwerk von früher, alles muss perfekt sein, dann wirst du die perfekte Hausfrau. Sauber, ordentlich und ruhig.

Irgendwann vor vielen Jahren hat mich der Vater meines damaligen Freundes beim zusammenkehren des gemeinsamen Stiegenaufganges beobachtet und laut ausgesprochen: „Das ist brav, die perfekte Hausfrau.“

Schon damals mit 19 hat sich in meinem Körper alles umgedreht was möglich war und ich habe meinen Zorn tief gespürt. Und runtergeschluckt. Brav, sauber, ordentlich und ruhig.

Eine junge iranische Sängerin betritt die Bühne: sie hatte in ihrem Heimatland an der Uni ihre Stimme erhoben und gesungen (man darf weder singen noch summen, noch tanzen) wurde exmatrikuliert und musste danach fliehen. Heute steht sie auf dieser großen Bühne und singt mit 2000 Frauen ihr Lied.

Ich stehe auf, ich spüre die Energie im Saal und Tränen rinnen mir das Gesicht hinunter. Wir singen gemeinsam: ein 360 Grad Konzert, ein großer einmaliger Chor, der singend und herzöffnend für eine gemeinsame friedliche Zukunft die Stimme erhebt.

Die Stimme zu erheben ist für Frauen heute 2026 in so vielen Ländern so gefährlich. Wir in Österreich können und dürfen es, die Demokratie und die Gesetze stehen hinter uns #NatalieAmiri @natalie_amiri

Mein Mann und ich haben heute vor 13 Jahren geheiratet. Wir haben unseren eigenen Namen gewählt und uns gegen die Tradition gestellt. Wir begleiten unsere Söhne gleichberechtigt (ja: bei einem Elternsprechtag wusste ich tatsächlich nicht, wovon die Lehrerin mir erzählte, weil mein Mann in dieser Zeit alles mit den Jungs übernommen hatte). Das hat viel mit unserer Umgebung gemacht und es ist Feminismus im Alltag.

Genau da, wo er hingehört. Dann, wenn ich mit dem Auto in den Familienurlaub fahre, die Koffer trage und auf der Couch liege, während er die Wäsche macht.

Und NEIN: das ist nicht so, weil mein Mann besonders weich erzogen wurde (und er wurde grandios begleitet), oder ich Glück hatte!

Das war harte Arbeit, bis an unsere Grenzen, so viele Male!

Wir mussten alte Rollenbilder hinterfragen, ich als Frau musste immer wieder hinspüren: was wurde mit vorgelebt, was will ich? Wer bin ich in der Tiefe?

WIE WILL ICH gemeinsam Partnerschaft leben und VORALLEM: was will ich meinen Söhnen vorleben und weitergeben?

Da ist so viel Liebe für uns. So viel Stolz und Herzenswärme. Wir gehen unseren Weg und das machen wir richtig gut.

Heute am Weltfrauentag, unserem 13. Hochzeitstag, weiß ich:
wir verändern die Zukunft.

…und das kann JEDE:R!

Deshalb hier ein Buchtipp von mir:

The Daily Feminist #evelynhöllrigltschaikner @little.paper.plan

Was kannst du jeden Tag tun, damit diese Welt in Frieden zusammenleben kann?

In deiner Partnerschaft.
In deiner Familie.
Eine Gesellschaft „in der Männer und Frauen zusammenhalten.“ #dorisschmidauer

Das Event wurde live auf ORF3 gesendet.
Aus der Wiener Staatsoper: RISE!
nachzusehen noch 6 Tage lang auf ORF ON.

Alles Liebe zum Frauentag,
eure Daniela


Entdecke mehr von Daniela Seeberg • Körper- und Bewusstseinsarbeit

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.


Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..