In den letzten Tagen beschäftige ich mich sehr mit der Frage, wie ich Kindern und Jugendlichen bei einem Workshop, der morgen stattfindet, die Freude am Körper und an Bewegung vermitteln kann – als alternative zur Handyzeit.

Wie geht das in der heutzutage?
Mehr Körper neben der Bildschirmzeit?

Ich sitze im Zug von München zurück nach Wien. 90% der Erwachsenen sitzen entweder vor dem Laptop oder dem Handy. Während ich mich regelmäßig strecke und dehne, aufstehe und meinen Körper durchbewege, sehe ich Menschen, die über 4 Stunden in derselben Position verharren. Die Eine, die ein Buch liest, lässt sich alle 10 min von ihrem Handy ablenken, der Eine, der sein üppiges Essen mitgebracht hat hält auch hier das Handy in der einen und das Brot in der anderen Hand.

Was leben wir Erwachsenen der nachfolgenden Generation vor?

Mit schnellem Daumen am Display.
Abgesehen von der Veränderung des Schulter-Nackenbereichs, der Beckenstellung und der Augenmuskulatur – die Daumenmuskulatur lass ich da mal weg obwohl es die Diagnose „Handydaumen“ oder das De-Quervain-Syndrom ja mittlerweile schon gibt – was macht diese Abhängigkeit vom Display und deren Inhalten mit unserer Psyche?


Forschungen sprießen aus allen Ecken hervor und ich habe mich besonders mit der Beziehungsforschung auseinandergesetzt.

Der Blick aufs Handy und nicht in die Augen der Mitreisenden. Die Gedanken bei einem Spiel, auf Social Media und nicht bei den Menschen die physisch neben dir sitzen.

Soziale Distanzierung macht uns unglücklich.
Sie verringert die Oxytocinausschüttung und somit werden die körpereigenen Substanzen, die für Wohlbefinden, Belohnung und Glück zuständig sind, weniger produziert: Serotonin und Dopamin.

Nachweislich macht uns das krank: Es ist eine Form von Stress. Isolation steht in Verbindung mit Depressionen, Angststörungen, Suizidalität und einem erhöhten Sterberisiko jeglicher Ursache, langfristig kann es zu chronischen Entzündungen führen. (Dr. Ben Rein)

Dabei wäre es so einfach: ein „Guten Morgen“ an den Buschauffeur, eine kurze Plauderei mit der Schaffnerin. Augenkontakt reicht. Berührung, wie Hände schütteln, wäre noch besser. Ideal sind kurze Gespräche über das Wetter oder andere einfache Themen.



Die Laune hebt sich und auch der Mensch mit dem du kurz in Kontakt gegangen bist, hatte eine wohltuende Begegnung – wenn sie von neutraler Freundlichkeit begleitet wurde.

Wir Menschen suchen den Kontakt zu anderen Menschen, das ist uns in die Wiege gelegt und lässt uns auch unsere Empathiefähigkeit entwickeln. Kleine Kinder suchen mit den Augen den Kontakt. Sie schauen in die Welt und entdecken jeden Tag etwas Neues – ganz natürlich.

Letzte Woche erfasste mich ein Blick eines kleinen Mädchens aus dem Kinderwagen heraus. Die Mutter steht neben einer Freundin. Beide starren aufs Handy. Ich bleibe stehen und lächle das Kind an und spiele mit meinen Händen das „Guck-guck“-Spiel. Es macht es mir nach. Wir lachen beide.

Gleichzeitig gibt es so viele Menschen, von denen ich höre: ich will mit Fremden sowieso nichts zu tun haben. Mir sind Menschen zu viel. Welche soziale Enttäuschung ist da wohl vorausgegangen?

Angst von Ablehnung, Angst vor Bewertung, Scham und Schuld, Misstrauen, Trauer, generelle Überforderung…. und so viele Erlebnisse, die uns am Weg als Menschen prägen und geprägt haben.

Besonders seit der Kinder- und Jugendzeit können uns Erlebnisse für unser gesamtes Leben in eine gefühlte Einsamkeit schicken.

Was also tun?
Wir Erwachsene können hier achtsam sein und mehr wert auf Körper-Qualitätszeit mit Kindern legen. Augenkontakt, Berührungen, das Brettspiel, das gemeinsame Mittagessen ohne Handy im Raum. Mit anderen Menschen in Kontakt gehen. Bedürfnisse und Gefühle spüren und aussprechen lernen.

Der Spaziergang im Wald, die gemeinsame Beachvolleyballstunde oder das Radfahren die Donau entlang.

Wir sind heute als Erwachsene mehr gefordert als früher. Die Bildschirme fesseln uns und die Kinder und der Kontakt zum eigenen Körper geht verloren. Die Zeiten haben sich geändert. Wir sind angehalten uns ebenso zu entwickeln: Bewusste Handyzeit, bewusste Auszeit mit unserem Körper – Bewegen, Spüren, Fühlen.

Das geniale ist: je öfter ich mit meinem Körper bewusste positive Bewegungs- und Naturerfahrungen mache, umso mehr ist es im Gehirn verankert und umso öfter wird es mein Körper auch verlangen.

Wie ich es schaffe, meinem Körper die Priorität einzuräumen, das kann man üben und in die eigenen Tagesgewohnheiten einbauen.


Hier in Tulln findet morgen, Dienstag 16.6.2026 17:00 ein Informations- und WorkshopTag zum Thema

Gönn dir Echtzeit zur Screenzeit statt

Herzliche Einladung, wenn du in der Nähe bist!


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